Wander-Tipp

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Die Kunst zu wandern und zu wandeln!

Lichtmess-Wander-Tipp : Altenryf

An einem alten Kloster und einer mittelsteinzeitliche Siedlung vorbei
in die malerische Intimität der Erdgöttin hineinwandern.
Dem Licht entgegen durch ein Sandstein-Tor zu neuen Ufern schreiten.


wilde Schlucht der Saane

Grunddaten und Anreise
Länge 5½ km - Steigung 60 m - Wanderzeit 1½ Stunden
vom Kloster-Parkplatz aus 25 Minuten weniger

Von Freiburg aus verkehren drei Postauto-Linien Richtung "Farvagny" - mit einer dieser drei fahren wir bis Haltestelle "Grangeneuve Institut agricole"
Wer mit dem Auto anreist, fährt von Freiburg über die Kantonsstrasse Richtung Bulle, zweigt später links zur Abbaye d'Hauterive ab und findet beim Kloster Parkmöglichkeiten.

 Beschrieb
 Der Bus fährt von der Haltestelle bei der landwirtschaftlichen Schule wieder hinauf, wir hingegen wandern hier geradeaus - auf linker Hand die Gebäude der Schule, auf rechter Hand die Felder. Nach dem letzten Gebäude steht ein Parkplatz, dort folgen wir den grünen Schilder "seniter forestier" (Waldlehrpfad). Nach einem kurzen Waldstück verbleiben wir auf dem breiten Naturweg und erblicken schon weiter unten die Klosteranlage. Beim Kloster gehen wir kurz links gegen den Parkplatz, dann rechts der Asphaltstrasse entlang gegen der Saane hinab. Gleich vor der Saanebrücke folgen wir auf rechter Hand dem Wanderweg-Schild "Abbaye d'Hauterive". Der Weg führt uns zwischen Saane und Klosteranlage zu einer weiteren Brücke. Wir überqueren den Fluss und folgen ihn weiter indem wir auf rechter Hand auf den kleinen Pfad einbiegen. Diesem folgen wir bis zuhinterst im Waldreservat "La Souche". Dort laufen wir noch ein paar Schritte der Saane entlang und treffen auf eine kleine Andachtsstelle mit einer Marienstatue in einer ausgehauene Felsnische. Keine zehn Meter weiter treffen wir nun auf einem Sandstein-Tor, das einen idealen Ritualort für die Lichtmess-Feier bietet.
Von dort laufen wir nun zurück - diesmal die Nähe der Sandstein-Fluh anpeilend - treffen wir auf dem Weg, der uns über den Hof La Souche zurück zur Brücke und zur Klosteranlage führt. Jetzt wandern wir geradeaus hinauf zum Klostertor. Wer möchte, kann hier noch der Abtei und ihrem kleinen Laden einen Besuch abstatten. Nach dem Klostertor schliesst sich unsere Schlaufe : wir wandern auf dem bekannten Weg zur landwirtschaftlichen Schule hinauf .


Wandern in die Intimität der Erdgöttin
 Eine Schlucht ist - so die Indianer - der Schoss der Erde. Tatsächlich gewähren diese Landschaftseinschnitten Einblicke in Gesteinsschichten, also im Wesen und in die Geschichte der Erde, Einblicke in die Intimität der Erdgöttin. Wenn zu Lichtmess die Grosse Göttin aus der Unterwelt empor steigt und die Erdkrumme sich unbemerkt auf den kommenden Vegetationszyklus vorbereitet, stellen Schluchten den idealen Ort dar, um diesen unspektakulären, feinstofflichen Impuls wahrzunehmen. Schluchten sind meist weitgehend von der Zivilisation und ihrer Hektik abgeschirmt und bieten daher gute Voraussetzungen, um in sich zu kehren, um Jahreskreisfest-Rituale konzentriert feiern zu können. Mit ihren offenen Geschichtsbücher - die Felswänden - geben uns die meisten Schluchten Inspiration. Der naturbelassene Lauf des Flusses verleiht der Meditation eine klare Entwicklungsrichtung, eine Konstanz und eine Dynamik, die den Geist zu fruchtbaren Einfällen beflügelt.
Diese Landschaftsqualitäten finden wir hier in der Saanenschlucht in hohem Mass vorhanden. In dieser Jahreszeit ist wegen dem tiefen Sonnenstand die Zeit um den Mittag empfehlenswert. Wer Rituale durchführen möchte, wird es wahrscheinlich ungestört tun können, denn zwischen elf und ein Uhr sind da selbst sonntags eher wenige Spaziergänger unterwegs.
Der erste Teil der Wanderung entlang der Saane verläuft weitgehend im Schatten - wir befinden uns noch fest in Wintershand. Eisüberzüge verleihen den angeschwemmten Hölzern kunstvolle und schimmernde Akzente, von den hohen Sandsteinfluhen ragen ganze Orgelregister von Eiszapfen herab, besonders prickelnd kühl nimmt uns die feuchte Atmosphäre ein : eine gute Gelegenheit die vergangene erste Hälfte des Winters Revue passieren zu lassen. Unmittelbar auf die andere Seite des Wanderwegs befindet sich das Klostergelände. Es sit als "Zone der Stille" ausgeschildert und die allermeisten Wanderer halten sich freundlicherweise daran. Die zur Zeit herrschende
winterliche Strenge vertieft diese Stille und begünstigt natürlicherweise beim Wanderer die Meditation.
Nach der Klosteranlage führt uns eine Brücke über die Saane, doch vor dem Übergang lohnt sich ein Blick am Hang rechts. Dort fallen grössere Pflanzen mit dunkelgrünem palmartigem Blattwerk auf - üppige hellgrüne Blütenstände erheben sich geheimnisvoll darüber. Die Christrosen heitern lichte Schattenlagen von Dezember bis April mit ihren diskreten glockenförmige Blüten auf. Die hochgiftige Pflanze wurde im alten Griechenland und Mittelalter bei der Behandlung von Geisteskrankheiten, Epilepsie und Lähmungen eingesetzt. Nach neuer Überprüfung wird sie heute homöopathisch und spagyrisch als Unterstützung bei akuten Hirn-, Rückenmark- und Nierenentzündungen geschätzt.



Das Kloster Altenryf

Die Zisterzienserabtei wurde 1138 von Guillaume de Glâne gestiftet und von Mönchen aus dem Burgund besiedelt. Der Bischof von Lausanne und die Herzoge von Zähringen - Gründer der Stadt Freiburg - gehörten auch zu den grossen Förderern des Klosters. Altenryf erlebte bereits während dem 12. und 13. Jahrhundert eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Das Kloster produzierte Wolle für die nahgelegene Stadt, besass Rodungshöfe, Sömmerungsalpen, Weingüter am Genfersee, betrieb Getreidemühlen und im 15 Jahrhundert auch eine Papiermühle. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Abtei und ihre bedeutende Bibliothek wiederholt geplündert.
Nach der Niederlage vom Sonderbund liess 1848 der regierende Freisinn alle Klostergüter säkularisieren. Danach wurde die Anlage als landschaftliche Schule und Lehrerseminar genutzt. 1939 etablierten sich wieder Mönche aus Wettingen-Mehrerau in Altenryf. Das tägliche Leben der Mönche baut gemäss der Regel des heiligen Benedikt von Nursia (6.Jh) auf drei Achsen : Gebet, Arbeit und brüderliches Leben.
Um Viertel nach vier morgens versammeln sich die Mönche zum ersten Gebet, acht weitere mal bis acht Uhr abends. In den Zwischenzeiten geht jeder in andachtsvoller Stille seinen Aufgaben nach.


Auf zu neuen Ufern
Nach dem Brückenübergang bemerken wir, dass uns die Klosterstille auf dem Weg der Saane entlang weîterhin begleitet. Vom diesem Pfad aus laden die malerischen Einsichten auf dem Fluss ein, hie und dort mal ein Stück weit über das Kiesbett zu wandern oder mal eine verträumte Pause einzulegen. Abschnittsweise betrachten die Geister der Bäume am Ufer ihr Spiegelbild auf die Oberfläche des Flusses. Mit ihren Sandsteinfluhen, Schlaufen und Kiesbänken überrascht die Landschaft in wechselhaften Stimmungsbildern, die Saane ebenso mal still wie die Mönche, mal rauschend und plätschernd in einer klangreichen Melodie vorbeiziehend.
Die eher sanfte Flussdynamik findet ihren Ursprung im Stauwehr Rossens knapp zehn Kilometer flussaufwärts. Der Hauptwasserstrom in einer Leitung an uns vorbeigeführt, wird wenig unterhalb vom Kloster im Elektrizitätswerk Hauterive turbiniert. Der hier bewanderte Abschnitt untersteht daher nicht dem gefährlichen Schwall- und Sunk-Betrieb, wie beispielsweise der Saane-Abschnitt unterhalb von Freiburg nach dem Stauwehr Schiffenen. Trotz Warnschildern können wir uns durchaus erlauben mal einen Abstecher ans Wasser zu wagen. Von der sehr geringen Wahrscheinlichkeit einer Flutwelle zeugen Kieselsteine, unmittelbar am Wasser plaziert, bei der Andachststelle weiter oben - sie waren bei meinem letzten Besuch im Sommer 2011 mit Namen und Datum von November 2009 versehen.

Im Waldreservat La Souche vollzieht der Weg am Schluss ein Bogen gegen die Sandsteinfluh und führt der Wanderer zurück Richtung Kloster, doch zuerst folgen wir dem schmalen Pfad der Saane entlang. Er führt ein paar Schritte hinab zu der vorher erwaähnten Andachtsstelle. In einem Sandsteinblock wurde eine Nische ausgehauen und eine Marienstatue darin plaziert. Gleich darunter befinden sich die mit Namen versehene Kieselsteine. Der kleine Pfad führt weiter flussaufwärts zwischen etlichen  Sandsteinblöcken. Nach kanpp zehn Meter entdecken wir auf rechter Hand zwischen zwei Sandstein-Blöcken ein mannshoher Durchgang.
Naturmythologisch sind solche Durchgänge nicht nur starke Symbole sondern auch unmittelbar kraftbeladene Orte. Sie sind ausserdem äusserst nützliche rituelle Hilfsmittel : auf die eine Seite verlässt man das Alte - unerwünschte Angewohnheiten und lästige Begleiterscheinungen werden beim Durchgang abgestreift - auf die andere Seite tritt nun der Mensch in einer anderen Welt, in einem neuen Lebensabschnitt, in einer unverbrauchten Lebenshaltung. Daher darf man solche Durchgänge ohne dabei zu übertreiben als Tore der Magie bezeichnen. Diese wirkt oder eben nicht je nachdem, wie bewusst man den Durchgang vollzogen hat.
Das schön geformte Tor stellt in mehrfacher Hinsicht ein idealer Ort für das Lichtmess-Ritual dar. Es führt unmittelbar zum Wasser, sprich zu neuen Ufern am Urquell des Lebens. Jetzt um die Mittagszeit schreiten wir durch das Tor gleich dem Sonnenlicht entgegen. Im Rücken haben wir starren Felsstrukturen als Sinnbild des allmählich endenden Winters, auf die andere Torseite das fliessende Wasser als Sinnbild der heranschreitenden Frühlingsdynamik. Schauen wir flussaufwärts dem Ursprung entgegen, bekommen wir Einblick in dieser Intimität der Erdgöttin, sehen wir die Geschichtsbänder in den blanken Sandsteinfluhen, dorthin woher die Grosse Göttin nun wieder zu uns kommt. Es sind dort übrigens drei hohe freistehende Sandsteinrippen, die sich so erheben als würden sie zum Wasser heranschreiten - die drei ist die Symbolzahl der Göttin (siehe erste Foto in diesem Beschrieb).

Auf dem Rückweg laufen wir gleich ausserhalb vom Waldreservat an einem Sandsteindach vorbei. Hier befand sich in der Mittelsteinzeit einem Unterschlupf, der von verschiedenen Fakultäten der Uni Freiburg untersucht wurde. Zwischen 7'000 und 5'000 vor Christus wurde der Siedlungsplatz immer wieder benutzt und ermöglicht daher einen lückenlosen Einblick im Dasein der Jäger-Sammler-Völker von der Mittelsteinzeit bis zur Aufgabe dieser Lebensform anfangs des fünften Jahrtausends vor Christus. Neben Tausenden Steinwerkzeugen und Pfeilspitzen, sowie etwa 100'000 tierische Funde (Hirsch, Wildschwein und weitere Pelztiere) wurde auch Schmuck aus Hirsch-Eckzähnen und die weitherum älteste kunstvoll-verzierte Tonscherbe gefunden. Der einmalige Siedlungsplatz, sowie das auffällige Bauernhaus auf dem Weg zur Klosteranlage sind als Kulturgut nationaler Bedeutung klassiert.

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aktualisiert 11.01.2020
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