Wander-Tipp

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Die Kunst zu wandern und zu wandeln!

Spätherbst-Wander-Tipp :
Megger-Wald und Klausjagen

Helle und dunkle Seiten eines geheimnisvollen Waldes oder die Magie an den Toren der Stadt.
Licht und Dunkelheit im Vorwinter : Küssnachter Klausjagen, die Magie alter Rituale.


Magie der Stille im Wagenmoos


Grunddaten und Anreise
Zug Küssnacht am Rigi

Zugang über Küssnacht (450 m ü.M.) – Allmig : 1 Std hinauf / hinab ¾ Std (gesamter Rundgang bis Punkt 607 und zurück : 4 ¾ Std)

Allmig (553 m ü.M.) – Haggenegg (588 m ü.M.) - Grenzentürli (618 m ü.M.) – Megger-Wald - Schwerzi (Moorlichtung unter Punkt 607 auf der Karte 1:25‘0000 angegeben) – Punkt 607: 1 ½ Std
Punkt 607 - Forenmoos LU (nur als solches auf der 1:25‘000-Karte) - Grenzentürli (618 m ü.M.) – Wagenmoos (603 m ü.M.) - Forenmoos SZ (es gibt eben zwei davon) - Allmig : 1 ½ Std

Variante mit Zugang über Luzern : Büttenen – Mülegg - Punkt 607 : ¾  Std hinauf / hinab ½ Std (insgesamt 4 ¼ Std)
 

Beschrieb
Die Landschaft zwischen Luzern und Zugersee fällt auf der Karte durch die vielen von Südwesten nach Nordosten parallel-verlaufenden Geländerippen auf. Sie sind durch den Wechsel von steilgestellten Nagelfluh- und Mergelschichten entstanden. Während der Vergletscherung wurden die weichen Mergelschichten stärker als die härteren Nagelfluh-Schichten abgetragen. In den wasserundurchlässigen Mergel-Mulden entwickelten sich vor 14'000 Jahre Feuchtgebiete, in Schattenlagen auch Hochmoore. Einige dieser Moore sind sogar von nationaler Bedeutung und beherbergen jene Arten von Insekten, Amphibien, Reptilien und Vögeln. Im Megger-Wald gedeihen auch Pflanzen wie Bergföhre, Rippenfarn und Eisenhut, die ansonsten erst oberhalb von 1'000 Meter zu Hause sind. Diese einzigartige Wald- und Moorlandschaft beherrscht beinahe die gesamte westliche Hälfte der Rippenlandschaft zwischen Luzern und Zugersee. Die östliche Hälfte ist weniger feucht und grossenteils landwirtschaftlich genutzt.  Als Ausgangspunkt können Sie Küssnacht nehmen, wie im Folgenden beschrieben wird, aber ebenso Luzern, Meggen, Merlischachen, Adligenswil oder Udligenswil. Die bescheidene Anhöhe vom  Megger-Wald ist eine wahre Insel der Magie mitten in der Zivilisation.

Hinter dem Bahnhof von Küssnacht verlassen wir links die Strasse für den Weg mit dem Wanderweg-Signet, der zuerst den Geleisen entlang führt. Auf der Anhöhe gehen wir beim Kreuz links, dann nochmals links dem Wegweiser Meggen nach. Wir folgen dann den Wegweisern gegen Meggen bis derjenige zum Grenzentürli kommt. Nach dem Grenzentürli selbst wandern wir auf dem recht breiten Waldweg gegen Tschädigen und überqueren dort die Strasse. Nach einem kurzen Stück Wiese gehen wir zweimal rechts, um in den Megger-Wald einzutreten. Wir treffen dann auf dem grossen Querweg durch den Megger-Wald und wandern hier links gleich wieder aus dem Wald hinaus. Beim nächsten Weg gehen wir rechts dem Wegweiser Obkilerweg/Buchrain nach.

Schon bald verlassen wir die Naturstrasse rechts und folgen dem kleinen Weg am Waldrand. Beim Waldeingang schreiten wir an einer grossen Stechpalme vorbei. Wir wandern weiter in einer Linkskurve auf diesem Weg, über kleine Hügel bis zur Lichtung Schwerzi. Das Moor befindet sich auf linker Hand, rechts geht es gegen den Punkt 607 und dem grossen Querweg durch den Megger-Wald, auf welchem wir rechts weiter wandern. Hier treffen wir auf den Zugang über Luzern. Der nächste Weg auf linker Hand führt uns mit guter Beschilderung am Forenmoos (LU) vorbei. Dann gelangen wir auf die Teerstrasse, der wir kurz links folgen, sie überqueren und dann den Markierungen nach im Wald hinauf wandern. Oben angelangt geht es links weiter und beim Grenzentürli nochmals links dem Wegweiser Wagenmoos nach. Von dort aus folgen wir den Markierungen Küssnacht und gelangen damit über das freundliche Hasenried bevor wir am zweiten Forenmoos (SZ) vorbei die Allmig erreichen. Hier treffen wir auf dem geheimnisvoll geschmückten Kreuz und dem morgentlichen Aufstiegsweg.
 

Allmig / Haggenegg
Von Küssnacht herkommend sieht der leicht hügelige Bergrücken mit den traditionellen Bauerhäusern besonders zierlich und heimelig aus. Wie es in der geomantischen Tradition immer wieder unterstrichen wird, beeinflusst die Blickrichtung unsere Wahrnehmung der Landschaft. Es ist also nicht dasselbe Erlebnis, ob man von Luzern her über die Seeanhöhe gegen Küssnacht und das Mittelland schreitet oder wie hier vorgeschlagen, von Küssnacht aus auf der Allmig den Blick in die Weiten des Vierwaldstättersees schweifen lassen kann. Es ist sich wirklich den Versuch wert hier eine Zeit lang bewusst in die eine, dann umzukehren und ein paar Schritte lang in die andere Richtung zu blicken. Während bei Sonne die Aussicht auf dem See bezaubert, führt der Nebel hier oben seine eigene Magie und Weite auf. Der Türst liebt solch dünnbesiedelte Hochebenen... Doch meist überwiegt eine liebliche Stimmung, wie bei den Nagelfluh-Landschaften üblich. Runde und sanfte Formen prägen die Umgebung und die Stimmung der Wiesen, Hochstamm-Obstgärten und Wäldern  spricht genau die gleiche weiche Sprache. Eine energiereiche Ausstrahlung spürt der Wanderer an den Waldrändern gegen Haggenegg : sie wirken etwas verschlafen, stimmungsvoller, ja sogar geheimnisvoller als anderswo. Zwischendurch setzen hier Lärchen einen heiteren Punkt am Wegrand.


Bei der Wegkreuzung
auf der Anhöhe über Küssnacht
steht ein eigenartiges Kreuz mit allerlei Werkzeugen behangen : Beisszange, Leiter und vieles mehr...
Bei sogenannten Armi-Christi-Kreuzen sind all die Gegenstände, die bei der Kreuzigung eingesetzt wurden, dargestellt. Vor allem in Alpenraum verbreitet, war die Verehrung der Arma-Christi-Kreuze bis ins 19.Jahrhundert eine Weiterführung des mittelalterlichen Reliquienkult und der damaligen Meditationspraxis. 
 

Megger-Wald
Der Megger-Wald ist schon durch seine Grösse alleine ein besonderes Erlebnis. Dass er wirlich ein Ort der Kraft ist, bemerkte der Autor auch daran, dass er sich darin mehr als einmal verirrte. In der Nähe von Orten der Kraft ist das Erdmagnetfeld häufig verzerrt, was den Orientierungssinn deutlich täuschen kann : unsere Orientierungsfähigkeit stützt sich unter anderem auf magnetisch-reagierende Eiweissverbindungen im Gehirn. Für den Verfasser dieser Zeilen, der eigentlich über einen ziemlich guten Orientierungssinn verfügt, bedeutet das mehrmalige Verirren einen deutlichen Hinweis auf den Kraftort-Charakter des Megger-Waldes.

Der Quellenkopf am Waldrand über Tschädigen ist nicht immer sichtbar mit Wasser gespiesen, doch die energetische Bedeutung des Ortes wird von einer grossen Stechpalme am Waldeingang markiert. Astrologisch wird die Stechplame dem Herrscher des Tierkreiszeichens Steinbock, dem Saturn zugeordnet. Die ledrig-zähen dunkelgrünen Blätter und deren dunkle Ausstrahlung sind erste saturnische Anhaltspunkte. Die Stechpalme ist seit Urzeiten im Volksbrauch eng mit Weihnachten und Neujahr verbunden : die immergrünen Blätter stehen für Unsterblichkeit, die roten Beeren für Glück, Hoffnung und Liebe. Weihnachten und Neujahr finden ausserdem in der Zeit des Steinbocks (22.Dezember bis 20.Januar) statt. Bei den Kelten galt die Pflanze als Druidenpflanze und Symbol für ewiges Leben. Zauberstäbe wurden aus den Ästen des immergrünen Baums geschnitzt. Die energiereiche und geheimnisvolle Ausstrahlung dieser schönen Pflanze lässt sich hier und an weiteren mehr oder weniger grossen Exemplaren auf dem Weg zur Schwerzi gut erleben.

 
Ilex aquifolium – die Stechpalme


Schwerzi, die Wilde Jagd und
die Percht-Zeit
Im dichten Wald mit den hohen Adlerfarn-Stauden wird der Wanderer wunderbar auf das Ried von Schwerzi eingestimmt. Hier zwischen den Moosteppichen und den dichteren Waldabschnitten kann man sich durchaus vorstellen, wie es die Sagen beteuern, auf einmal den ungestümen Zug der Wilden Jagd zu erblicken.

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Die Wilde Jagd - auch Wuotisheer oder Türst genannt - tobt vor allem in der Spätherbstzeit. November und Dezember sind die Monate, die regelmässig von grossen Winden heimgesucht werden. Angeführt wird die Wilde Jagd von einem riesenhaft grossen, grün gekleideten Jäger - der Türst. In seinem Gefolge versammelt er die Seelen unruhig Verstorbener und braust mit ihnen als Sturmwind über Ebenen, Gräben, Wälder und Gassen durch die Dunkelheit ins Jenseits. Wehe denen, die sich dem Wuotisheer in den Weg stellen. Sie werden umgestossen, entrückt, schwer krank oder gar gleich ins Totenheer eingegliedert. Der Seelenzug wird mit viel Lärm, Kläffen und Gebell schwarzer Hunde angekündigt. Hohl, dumpf und erschreckend unnatürlich erschallt das Bellen der höllischen Meute. Manche berichten, dass die Hunde nur drei Beine hätten, andere, dass der Anführerhund ein einziges und feuriges Auge auf der Stirn trage. Reichlich detailliert beschreiben Sagen in der Schweiz (auch im Welschen) und Deutschland die unheimliche Erscheinung, welche über bestimmte immergleiche Wege zieht. Entlang diesen Wegen wurden als Schutz sogenannte Wetterkreuze aufgestellt.
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Wetterkreuz bei Ruswil (LU)
Diese Schutzkreuze werden
nach wie vor bei Bedarf erneuert.
Dieses ist mit der Jahreszahl 2000 versehen.

 

Die Wilde Jagd und die Percht-Zeit sind zeitlich, wie thematisch eng verbunden. Vom 6. Dezember bis zum 6. Januar erstreckt sich die sogenannte Percht-Zeit. Früher bezeichnete man eine Russ-geschwärzte Maske als rauher Percht. Die Masken spielen zweifelsohne in den Percht- und Jul-Bräuchen eine äusserst bedeutungsvolle Rolle. Zwischen dem kläffenden Gefolge der Wilden Jagd und den winterlichen Traditionen wie z.B. Klausjagen, Pelzmärtel oder Trychelzüge, bestehen durchaus Gemeinsamkeiten. Angeführt werden beide von schwarzen, dämonischen Gestalten : beim Türst die dreibeinigen Hunden, beim Klausumzug beispielsweise die Schmutzlis. In all diesen Gefolgen gibt es schöne und hässliche Gestalten und all diese Züge sind von mächtigem Lärm begleitet. Diese Gemeinsamkeiten erstrecken sich auf beinahe alle Traditionen dieser Zeit, die verbreitet im ganzen Alpenraum gepflegt werden. Zwischen Thomas und Dreikönigen halten manche Bauern ihre Tenntore offen, damit das Wuotisheer während den Rauhnächten ungehindert durch die Scheune jagen kann. Vergisst man dies, brechen Unglück und Krankheit über Stall und Haus herein. Die Percht-Zeit war früher Wotan geweiht – eine weitere Verbindung zu der Wilden Jagd.
Das Ried von Schwerzi, ganz im Wald eingeschlossen, bietet sich geradezu als idealer Sammelplatz für die jagende Meute. Die intensive Stimmung beflügelt die Fantasie und lädt den Körper mit auflebenden Energien auf.



Heitere und düstere Moorlandschaften
Das luzernische Forenmoos wiederum besticht mit freundlichen Stimmungen und Einblicken im Wechsel von Wald, Moor und Teich. Das Licht spielt im Wald besonders schön. Die Intensität der Ortsenergien ist auf dem Waldweg am Moor entlang besonders gross. Das Forenmoos strahlt diese starke Ruhe, diese Zeitlosigkeit, die für Mooren typisch ist, ganz ausgeprägt aus. Seien Sie auf der Hut, es hat schon manch Einen verzaubert.
Im Megger-Wald ist der Reichtum an Moorflächen, unterschiedlichen Stimmungen  und verschiedenartigen Ausstrahlungsarten schier unerschöpflich. Interessanterweise finden wir in den Weiten des Megger-Waldes genauso lauschige und verwunschene Orte, wie man bei den Winterbräuchen schöne und hässliche Masken antrifft. Den Iffelen, dem Sankt Niklaus und den schönen Perchten,  stehen die Schmutzlis und die wüsten Perchtfiguren entgegen. Still und verwunschen strahlt das Wagenmoos bei trübem Wetter - eine wahre Türst-Landschaft – eine geheimnisvolle und verträumte Stimmung aus. Die Lichtung mit dem grösseren Teich und das alte Gebäude wirken völlig zeitlos. Sie scheinen wie die Percht-Zeit zugleich neben und ausserhalb des geregelten Alltags zu schweben.


verwunschenes Wagenmoos
 

Hasenried, Forenmoos (SZ)
Noch stiller, noch stimmungsvoller und nochmals anders wirkt das Hasenried. Am Rande dieser Moorlichtung auf dem Weg gegen Forenmoos (SZ) gibt es einen gut ausgebauten Picknick-Platz. Weiter führt der Weg an einem Bildstöckchen vorbei. Die kleine Konstruktion steht verborgen im Schutz von Birken, Rottannen, sowie Buchs- und Eibe-Büschen. Eibe ist ein beliebter und bekannter Schutzbaum aber auch dem Buchs wurden seit jeher schützende Qualitäten zugeschrieben. Beim Buchs treffen sich heidnische und christliche Traditionen. Geweihter Buchs wurde früher an jedem Kreuz im Haus gesteckt. An Scheunen und Remisen angebracht, soll der geweihte Buchs gegen Blitz- und Hagelschlag, sowie gegen Missernte und Seuchen schützen. Auf der gegenüberliegenden Anhöhe in der Weide steht eine mächtige Fichte. Das Bildstöckchen und die Tanne stehen nicht wörtlich  einander gegenüber, sondern vielmehr in Verbindung zueinander – man darf sagen, dass Bildstöckchen und Tanne einen einzigen Kraftort mit zwei Kraftzentren darstellen. Der schön geformte Baum fällt auch wegen der breiten Silhouette auf. In der Tat fehlt der Rottanne der Wipfel, doch eine Vielzahl antennen-artigen Nebenstämme gleichen diese fehlende Mitte mehr als aus. Die Ausstrahlung der Fichte spendet Geborgenheit, sie wirkt richtiggehend mütterlich – in diesem ein wahrer Grossmutterbaum, wie der bekannte Autor Pier Hänni solche altehrwürdigen Lebewesen bezeichnet. Im Megger-Wald und ebenso im zaubervollen Hasenried liegt das Magische unmittelbar an den Toren der Stadt.

 

Hasenried
 

 

Das Küssnachter Klausjagen
Mit der oben beschriebenen Wanderung kann man auch der Besuch am Küssnachter Klausjagen verbinden.
http://www.klausjagen.ch/
Der Brauch findet üblicherweise in der Nacht vom 5. auf dem 6.Dezember statt.
2010 zum Beispiel wurde er auf dem Freitag 3. Dezember vorverschoben, damit der Brauch mit heidnischen Wurzeln nicht mit dem christlich-sakralen Charakter vom Sonntag (5.Dezember 2010) in Konflikt kommt.
Das Klausjagen ist eine der bekanntesten Traditionen des 6. Dezembers. Die Wurzeln des Klausjagens gründen wohl in grauer Vorzeit. Erstmals wird es 1732 erwähnt. Möglicherweise handelt es sich um eine Fortsetzung eines altgermanischen Fruchtbarkeitsrituals. Der riesige Umzug vereint circa 1300 Geisselchlepfer, Blechbläser, Trychler, Hornbläser, Schmutzlis, Fackel- und Iffeleträger. Die Iffelen sind überdimensionale Scherenschnitte, feinverzierte "Bischofsmützen" aus Karton. Sie werden über dem Kopf getragen und von innen mit Kerzen (heute z.T. auch elektrisch) beleuchtet. Die eine Seite zeigt ein Klausmotiv, die andere die Abkürzung JHS. Kirchenfenster, ganze Kathedralen, Orte der Kraft aus der Umgebung und Gotteshäuser, Mandala-artige Motive zieren mit einem unglaublichen Detail- und Farbenreichtum die votiven Laternen.



Ballet der Iffelen unter dem Vollmond

Ein riesiger Knall erschallt um viertel nach acht nachts über dem Städtchen. Augenblicklich gehen alle Lichter aus.
Durch das Ausbleiben der Zivilisationslichter erfährt der moderne Mensch endlich wieder oder gar zum ersten Mal was Nacht wirklich ist - jetzt stehen wir in dieser Dunkelheit, wo sich die Geister tummeln. Nach einer Weile vernimmt der Besucher seltsame Geräusche : als erste Gruppe laufen die Geisselchlepfer dem Umzug voran. In den engen Gassen der Altstadt knallen die Peitschen buchstäblich ohrenbetäubend laut. Vielleicht beeindruckt Einem der schallende Lärm umso mehr, weil die Augen die Geissel-schwingenden Männer kaum wahrnehmen können.


Geisselchlepfer


würdig und feierlich : der Sankt Niklaus

Hinter den über hundert Geisselchlepfern, kommen die Iffeleträger tanzend mit ihrer farbigen Lichtpracht auf dem Kopf durch die Gassen hinunter. Schon alleine wegen dem Licht, ist man froh um den Einzug der Iffeleträger. Die je nach Witterung (Iffelen sind feuchtigkeitsempfindlich) weit über hundert Figuren stellen die ganze Fantasie und das Können der Iffelebauer zur Schau. Die zwei traditionellen  Motive - Sankt Niklaus und die JHS-Inschrift (Jesu's Monogramm) - werden immer wieder von Neuem inszeniert. Die Iffeleträger laufen still lächelnd, sie hüpfen und drehen sich um die eigene Achse, damit jeder die zauberhafte Pracht bewundern kann. Sie bringen damit das neue Licht, den unverlöschbaren Funken des Lebens ins Städtchen hinein. Sie sind das eigentliche Sinnbild für die Hoffnung auf das Leben nach dem Tod, die Wiedergeburt der Natur nach dem Winter. Hinter den Iffeleträgern erscheinen zwei schwarz eingekleidete Gestalten. Die Kapuzen verraten kaum etwas von den schwarz geschminkten Gesichtern. Die zwei etwas unheimlichen und stillen Schmutzli-Figuren halten manchmal kurz am Strassenrand an und drücken dem einem oder anderen Zuschauer mit einem finsteren Raunen ein Lebkuchen in die Hand. Sie gehen den weiss gekleideten und Fackeln tragenden Knaben voran, die den Sankt-Niklaus begleiten. Hinter dem Fackelzug nimmt die Dunkelheit sofort wieder Besitz von den Gassen. Zugleich schwellen seltsame Klänge den Zuschauern entgegen. Eine ganze Schar mit Posaunen, Tuba und anderer Blasinstrumenten, immer dieselben drei Töne wiederholend, schreitet geisterhaft langsam durch die Gasse. Der zombiehafte Schritt und die schräge Melodie wirken in der Nacht ganz schön unheimlich. Diese unverkennbare Melodie wird seit 1912 gespielt und wurde in den 20er Jahre richtiggehend populär als es mit einem spöttischer Text über dem damaligen Bezirkammann ergänzt wurde. Klemenz Ulrich, genannt "Bodefridimänz", schritt in seiner Amtzeit (1920-1924) mehrere mal energisch gegen die Auswüchse des Klausjagens ein. Auf dieser Melodie wird noch heute "Mänz, Mänz, Mänz, Bodefridimänz" gesungen. 


Fackelträger und Bläsergruppe


die Trychler

Man hört sie schon von Weitem und der satte Klang dringt durch Magen und Knochen durch. Die je nach Jahr über sechs hundert (!) Kuhglocken schwingenden Trychler verbannen den Besucher in eine Art Halluzinationszustand, einen trance-ähnlichen Rausch. Mit ihren weissen Kapuzen wirken sie wie ein endloser Strom archaischer Kraft, der dröhnend, rythmisch perfekt abgestimmt, unbändigerweise der Alltag unterbricht und die Percht-Zeit einläutet. Die ursprünglich eingesetzten Kuhglocken wurden mittlerweilen von speziell für Klausjäger hergestellten Treicheln aus dem Muotatal ersetzt.
Als letzte Gruppe des Klausjagens verleihen die Kuhhornbläser mit dem asymetrischen Rythmus ihrer Klänge dem Umzugsschluss eine gespenstische, monotone Note. Viele Besucher folgen dann dem Umzug bis zum See hinunter. Dort verfächert sich allmählich der berauschende Dreier-Rythmus der Kuhhörner in einer Vielzahl klagenden melodischen Ausklänge. Es scheint, als würde die Geisterschar, die von den Klausjägern angetrieben wurde, in die undurchschaubaren Tiefen des Sees, in die Weiten des Nebels und der Nacht langsam versinken. Jetzt bekommen die Iffeleträger die Gelegenheit ihre schwere Fracht mal abzulegen und zu verschnaufen. Zwei bis drei Männer wechseln sich jeweils ab, um die grössten Iffelen über die zweieinhalb Stunden lange Umzugsroute zu tragen. Die Zuschauer können nun die zum Teil über hundertjährigen, zum Teil frisch kreierten Iffelen von nah bewundern. Das kunstvolle Ausschneiden der bis zu gut zwei Meter hohen Kartonhülle und Einsetzen verschiedenster Farbfolien ist hier zu einer wahren Volkskunst geworden.


Urtümlich klingende Gruppe der Hornbläser


Detail einer Iffelen

In der Unterstadt bildet sich nun wieder der Umzug und setzt sich für den zweiten Teil der Route in Bewegung. Hinterher gehen allmählich die Lichter an - die Kaffee- und Glühwein-Stände am Strassenrand verbreiten einladende Düfte aus. Am Schluss des Umzugs verbleiben vielen Zuschauer um dem zentralen Kreisel des schmucken Städtchens. Hier wetteifern Geisselchlepfer mit ihren Künsten. Besonders eindrücklich sind Darbietungen mit mehreren Teilnehmern, die mal synchron, dann wiederum zeitlich versetzt die Geissel schlagen. Das Gelingen komplexer Figuren und Rythmen wird jeweils mit warmherzigen Applaus quittiert. Auch junge Buben zeigen hier gerne mal, was sie drauf haben. Der Schlag mit der Geissel erfordert sehr viel Geschicklichkeit und entsprechender Übung. Die schwere und äussert lange Schafgeissel muss der Länge und dem Gewicht wegen mit beiden Händen gehalten werden. Mit der Fuhrmannsgeissel wird der spektakulären sogenannten Chrützlistreich vorgeführt. Die Peitsche muss in dieser Figur von hinten nach vorn über dem Kopf schnellen und wieder zurückgleiten. 

Nun ziehen die Teilnehmer des Klausjagens in kleineren Gruppen durch die Stadt. Hier halten zwei Geisselchlepfer mit ihren schallenden Figuren den Verkehr an oder dort geht eine Gruppe Trychler tanzend und die prächtigen Kuhglocken kraftvoll schwingend auf einen Kaffee-Stand zu. Überall spürt man, dass der Alltag angehalten ist, dass eine besondere und gesonderte Zeit angebrochen ist. Das Fest wird mit dem Genuss der traditionellen Sauerkraut- und Rippli-Platte in den Restaurants der Stadt fortgesetzt. Am frühen Morgen laufen die Geisselchlepfer im sogenannten Sächsizügli nochmals durch die Altstadt und setzen dieser gefährlichen Nacht der Percht-Zeit einen lautstarken (geisterbefreienden) Schlusspunkt.

Bei diesem Fest sind über 1'300 Teilnehmer vereint, was von den Organisatoren einen Jahreseinsatz fordert. Dadurch ist dieses Fest im Grunde genommen weit mehr als eine Tradition, es ist eine wahre Volksbewegung in diesem ungefähr 10'000 Einwohner-zählenden Städchen. Bemerkenswert laufen in allen verschiedenen Teilen des Umzuges Jüngere und Ältere schön untereinander verteilt. Das Fest weckt eindeutig ein starkes Zugehörigkeits- und Identitätsgefühl, selbstverständlich zwischen den Teilnehmern, aber auch zusammen mit der beteiligten Bevölkerung. 2008 hat die Sankt-Niklausgesellschaft ihr 80 jähriges Bestehen gefeiert. Ausserdem macht sich die Gesellschaft zur Pflicht Kinder, Betagte und Bedürftige von Küssnacht alljährlich zu bescheren.


Tanz der Farben - Lichter der Hoffnung

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aktualisiert 15.11.2019
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