der Zeitgeist

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die Kunst im Fluss zu sein

Unter der Rubrik Zeitgeist werde ich laufend Informationen über die Zeitqualität, die Jahreskreisfeste und die Rituale, die ich darum pflege.
Wer sich im Fluss befindet, erlebt immer wieder erstaunliche Momente des Einklangs mit der Natur und ihrer spirituellen Dimension.


Tagundnachtgleiche / Erntedank
Auf der Schwelle zwischen Jungfrau und Waage findet das Erntedankfest statt. In Griechenland wurde von jeder am Fest geöffneten Weinflasche, der erste Schluck auf die Erde gegossen. Es ist Erntedank und die besten Früchte werden geopfert mit der Bitte im nachfolgenden Jahr die Erde wieder so gut fruchten zu lassen. Früher wurden Getreidekörner ins Feuer geworfen; geopfert können auch Zettel mit bemalten Symbolen oder Geschriebenem werden. Kelten verbanden diese Zeit mit der Gottheit Freyr.
Erneut stehen die Feuer- und Kältekräfte im Gleichgewicht – die Natur bereitet sich dabei auf die Ruhepause vor. Bei den Kelten war das Erntedankfest die letzte Feier vor dem Abschluss der Feldarbeiten, vor Samhain - dem Jahresabschluss überhaupt. Die Tagundnachtgleiche steht inmitten der Erntezeit, inmitten des fliessenden Übergangs von der warmen, hellen und solaren Jahreshälfte zu der kühlen, dunklen und lunaren Jahreszeit. Die Zeit der Reifung und der Ernte bezieht sich allerdings nicht nur auf Äpfeln, Kartoffeln und Rüben, sondern auch auf geistige Früchte. Wer das Jahr bewusst gestaltet hat und im Frühjahr konkrete Projekte "ausgesäät" (formuliert) hat, kann jetzt mit Erkenntnissen, Einfällen und "Aha-Erlebnissen" rechnen. Für diesen Reichtum, sowie für das vergangene solare Halbjahr gilt es jetzt Dankbarkeit zu zeigen. Ist die Ernte auch mit Arbeit verbunden, ist es nun wichtig sich eine kleine Auszeit zu nehmen : eine Zeit um zu danken, eine Zeit um die erhaltenen Erkenntnisse zu festigen, eine Zeit um dem Zeitgeist entsprechend ins Gleichgewicht zu gelangen, denn der Zeitraum des Gleichgewichts zwischen Tages- und Nacht-Energien dauert nur kurz.
A propos "Auszeit" möchte ich bei dieser Gelegenheit darstellen, warum ich Wert darauf lege, das Feiern der Jahreskreisfeste jeweils mit einer Wanderung zu verbinden.
Gerade bei Erntedank und insbesondere wenn man einen Garten pflegt, ist es naheliegend das Erntedank-Ritual zuhause zu gestalten. Gewiss kann dies nicht falsch sein, andererseits kann es als Jahreskreisfest-Ritual nicht ganz genügen. Bei jedem Jahreskreisfest geht es auch darum, dass man sich jeweils die Zeit nimmt aus dem Alltagstrott auszuscheren, um sich einen Überblick über die jeweils herrschende Zeitqualität und den eigenen Bezug dazu zu verschaffen. Spontane Einfälle, neue Einsichten und freie Gedankenwege findet man naturgemäss am ehestem ausserhalb vom alltäglichem Rahmen, weg von Gewohnheitsgeprägten Orten. Darum ist das Feiern von Jahreskreisten und das Meditieren über die jeweiligen saisonalen Impulse am fruchtbarsten in einer extra dafür ausgesuchten Umgebung.


Schafscheid in Jaun... ein anderes Jahr (Kanton Freiburg)

Wenn schon alle traditionellen Erntedank-, Alpabzug- und Schafscheid-Feste abgesagt sind, sollen wir uns erst recht eine Feier gönnen.
Ja wir müssen umso mehr unsere Dankbarkeit der nährenden Erdmutter, unsere Solidarität mit allen gutgesinnten Naturgeistern zum Ausdruck bringen.
Festlichkeiten um ein Jahreskreisfest dauerten bei den alten Völkern häufig mehrere Tage. Mir scheint es soweit ideal, dass ich mal zusammen mit Freunden ungezwungen und ohne grosses Zeremonial feiern kann, ein anderer Tag ein tiefgründiges Ritual allein in der Natur erleben darf. Aber wieso schlage ich Ihnen ein Ritual alleine vor, dies ja ausgerechnet für so ein geselliges Fest wie Erntedank? Wie gesagt dieses Ritual ist nur eine Seite der Feierlichkeiten und so ein Ritual soll ein be-sonderer Tag, ein ge-sonderter Tag sein. Es geht darum möglichst vollkommen aus dem Alltag auszuscheren, um in möglichst inniger Kontakt mit der spirituellen Dimension der Natur zu gelangen. An solchen Tagen schalte ich mein Telefon ab, lese ich keine Zeitung und keine mails, gehe ich nicht ins Internet und erst recht nicht auf Sozialnetze, gehe ich keine alltägliche Verpflichtungen ein. Erst nach der  Rückkehr vom Ritual und nach einer Zeit des Ausklangs zu Hause telefoniere ich kurz mit meiner Lebenspartnerin. Ritualtag ist eben Auszeit, um sich mit der jahreszeitlichen Qualität auseinanderzusetzen, um wieder zu sich zu finden, sich zentrieren, sich regenerieren.
Es gibt viele Hilfsmittel, viele Techniken, um diese Distanz zum Alltag zu gewinnen. Es gibt dazu keine absolut sichere Methode, kein Richtig oder Falsch - jeder muss für sich dasjenige finden, das ihn anspricht, ihm entspricht und wirklich behilflich ist. Das Anziehen von Kleidern, die man ausschliesslich an Ritualtage benutzt, bezweckt bereits körperlich der Eintritt in einen speziellen Zeitraum und Handlungsraum. Diese Kleidung muss nicht unbedingt auffallend sein oder kann bedeckt werden, will man doch nicht unbedingt auf der Wanderung zum gewählten Kraftort neugierige Blicke auf sich ziehen. Abstand vom Alltag erreicht man ebenfalls durch Verwendung von Geruchsstoffen, wie Räucherstäbchen und Harze oder ätherischen Ölen. Der Geruchssinn aktiviert urtümliche Bereich des Gehirns, die abseits vom Intellekt ihre Wirkung entfalten. Beim Ritual geht es gerade darum die Verstandesebene zu verlassen und durch offenes, stilles Beobachten der Natur, Zeichen und Signale zu empfangen, das Gespür insgesamt zu verfeinern.
Und wie soll das Ritual gestaltet sein? Auch da gibt es keine Zwänge, sondern das Richtige müsst ihr selbst herausfinden, denn schliesslich muss das Ritual für euch stimmen, muss ein persönlicher Ausdruck euer Verbundenheit mit der Jahreszeit und mit den Themen, welche die Natur aktuell vorgibt. Darum ist es vorteilhaft sich ein paar Tage oder eine, zwei Wochen vor dem Ritual mit der Gestaltung und der Ortsauswahl auseinander zu setzen. Es liegt auf der Hand an Erntedank etwas zu opfern : Blumen, Kräuter, spontan Gesammeltes, Holz, Steine, Federn. Die Opfergaben sollen eben auch an einem ausgesuchten Ort stattfinden, bzw. mit etwas Feierlichkeit begleitet werden : Trommelschläge, ein bisschen Musik, Summen oder Singen, Anfachen von Räucherwerk, einige Tanzschritte oder Tai Chi, usw. Drückt eure Absichten und Gefühle hörbar aus, denn das gesprochene Wort hinterlässt eine spürbarere Spur in den spirituellen Dimensionen als der blosse Gedanke. 


auch eine Form von Opfergabe und Ehrung der Natur - Tai Chi im Sensegraben

Vorteile des Alleinseins für das Erntedankritual sind : man verstellt sich nicht wegen dem Blick der Anderen, man bleibt in seinen Handlungen und Auslassungen frei, man ist weniger intellektlastig und wesentlich freier, spontaner, offener, empfindsamer für Feinheiten um sich herum. Ein grosser Vorteil des Alleinseins ist eben das All-Ein-Sein mit der Natur insgesamt - physisch und spirituell im Ein-Klang mit der Um-Welt. Auch so ein einsames Ritual hat einen grossen Wert : die Handlung, die Achtsamkeit und die Liebe, die sie dabei ausdrücken sind Energien, die nicht verloren gehen. Sie nähren die Erdmutter und stärken den besuchten Kraftort. Diese Energien verbinden sie unmittelbar mit positiven morphogenetischen Feldern (siehe Bücher von Rupert Sheldrake); sie bestärken dadurch alle weltweiten Ausdrucksformen des guten Willens und der Solidarität zwischen allen Lebewesen. Gewiss steht manches in unserer Welt ganz im Argen. Wenn wir die Arme fallen lassen, dann können wir natürlich auch keine bessere Zukunft erwarten. Wenn wir den Mut zeigen, unsere kleine Welt schöner zu gestalten, dann treten wir in Beziehung mit den positiven Kräften in unserer Umwelt. Diese Resonanz mit den positiven Lebenskräften mag bescheiden sein, aber es sind die kleinen Bäche, die grosse Flüsse bilden... im Guten, wie im Schlechten.
So nehmen wir Teil am Gleichgewicht der Feuer- und Eiskräfte der Tagundnachtgleiche.


Hügellandschaft zwischen Rellerli, Sparenmoos und Hundsrügg (Berner Oberland)

Geeignete Orte für die Erntedank-Feier sind "ausgeglichene" Landschaften. Daher sind Hügelzonen als Ritualorte gut geeignet. Die Hügelzone verbindet eben die Berge (Alpsommer) mit der Ebene (dauerhafte Wohnzone). Voralpen allgemein, z.B. Pfyffe (siehe auch Orte der Inspiration : Naturpark Gantrisch mit Schwarzsee), Ibergeregg (Zentralschweiz),
Übergangsregionen wie Möser - Wydegg (bei Habkern), Ächerlipass (zwischen Dallenwil und Kerns), Oberbauen (Zentralschweiz),
Bärenturm (siehe auch Orte der Inspiration :
Unesco Biosphäre Entlebuch),
sichtbar rundgeformte Landschaften (z.B. Sparenmoos oberhalb Zweisimmen),
geologische Übergangszonen (z.B. Hilferental verbindet Kalk und Sandstein),
oder den Chasseron (alter keltischer Kultplaz bei Ste Croix, neuenburger Jura)
Bei all diesen Wandervorschlägen entsteht jeweils eine Resonanz zwischen den Qualitäten der Landschaft und den Themen des Jahreskreisfestes. Der Zeitgeist spiegelt sich in den Formen und Stimmungen der Landschaft. So wird das Jahreskreisfest konkret be-greifbar und er-lebbar.

Weitere Stichworte und Anregungen zum Erntedank finden Sie im
Herbst-Wander-Tipp .

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aktualisiert 02.09.2020
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