der Zeitgeist

.

Weitere Vorschläge
Magische Schweiz
HauptmenüNeuheitenBuchKraftort-FotoSchaufenster
........................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

die Kunst im Fluss zu sein

Jeweils am 15. des Monats erhalten die Rubriken "Zeitgeist" und "Wander-Tipp" neue Inhalte
 zur herrschenden Zeitqualität, zum darauf folgenden Jahreskreisfest und dazugehörenden Ritualen.
Wer sich im Fluss befindet, erlebt immer wieder erstaunliche Momente des Einklangs mit der Natur und ihrer spirituellen Dimension.

Sommer-Sonnenwende
Der Übergang von einem Jahreskreisfest zum anderen erfolgt vielfach allmählich. Im Gegensatz zu dieser allmählichen Jahresentwicklung, sind die Sonnenwende genau definierte Augenblicke, die eben eine Wende, eine Änderung der Entwicklungsrichtung bedeuten. Sind die Energien vor der Sonnenwende steigend, nehmen sie unmittelbar danach ab : der Wechsel erfolgt nicht allmählich, sondern abrupt.

Die Sommer-Sonnenwende findet jeweils am 21. Juni statt. Das Feuer nimmt an diesem Fest eine grosse Stellung ein, manchenorts trieb man sogar das Vieh dadurch. In dieser Zeit sind übernatürliche Wesen besonders aktiv und machtvoll. Die Sommer-Sonnenwende ist eine magische Zeit für Wünsche. Die kosmische Mutter, deren Symbol die Rose ist, zeigt sich dann besonders erreichbar und hilfsbereit : der Tradition nach, wirft man eine Rose (mit einem Kuss hinein versehen) in einen Fluss hinein, der den Wunsch ans Ziel bringt : ein von Poesie erfülltes Ritual.
Besonders beliebt für solche Feste waren hochgelegene Quellen, idealerweise in der Nähe einer Alm, wo zu Ehren der keltischen Gottheit Sol ein Feuer errichtet wurde. „Sonnenwendfeuer“ gibt es noch heute verbreitet vom Raum Innsbruck über das Zillertal bis ins Tirol hinunter. Breiter bekannt ist die Tradition der Johannisfeuer. Im Volksglauben war diese Feier mit Läuterungs- und Fruchtbarkeitsriten verbunden.
Wer in dieser Nacht durch das Johannisfeuer springt, so der Glaube der Vorfahren, überwindet allerhand Unheil, sei gegen sollte Hexen und bösen Geistern geschützt. Kohle aus diesem Feuer wurde manchmal sogar in Felder gesteckt, um die Ernte von Schädlingen zu schützen. In der Sonnenwendnacht öffnen sich nach den alten Sagen die Berge. Elfen, Drachen, Zwerge, Feen und andere Wesen traten nun unter die Sterblichen, brachten guten Rat und zeigten den Menschen gar verborgene Schätze. Den Liebenden stehen die guten Mächte besonders bei.


Höhepunkt Sommersonnenwende (Engstligenalp - Berner Oberland)

Die Geschenke der Quellfee von Tremetta
Die Trême liegt mir sehr am Herzen, weil ich als Bub viel in ihrem Bachbett gespielt habe. Schon damals faszinierte mich dieser wilde Bergbach und dieser ist - so entdeckte ich später - eine meiner wichtigsten Wurzeln in der Landschaft. Die jahreszeit-orientierte Beziehung mit den greyerzer Landschaften, die ich vor meiner schamanischer Einweihung intuitiv pflegte, wuchs danach zu einer bewussten, durchgedachten und umfassenden Reihe von Ritualen entlang der Jahreskreisfeste.

Am 21.6.1992 lief ich erstmals zur Quelle auf 1620 Meter hinauf. In der Nacht hatte es noch geschneit und der Morgen war ganz schön kühl. Beim Aufstieg stiess ich auf ein Sumpfgebiet mit einem kleinen Teich. Neben der lauschigen Wasserfläche legte ich eine Pause ein und vergass mich in der Bewunderung der umliegenden Felsen und Pflanzen. Ich spielte eine Zeitlang damit, die Sicht zwischen Oberfläche und Tiefe des Teichwassers zu wechseln, als plötzlich mein Herz schier aus den Schienen sprang. Da bewegte sich doch die Wasseroberfläche, hier war doch eine Stelle, wo die Oberfläche leicht gekräuselt war und seltsam höher lag als das umgebende Wasser. Ja das war die sichtbare Wölbung einer kleinen Quellenströmung aus dem Teichboden. Ich war ob dem stillen Austritt des Wasser aus dem Erdreich völlig entzückt. Allerdings konnte diese bescheidene Teichquelle,  nicht die Hauptquelle des Flusses sein. Jetzt wurde mir klar: ich befand mich bereits im Quellgebiet und irgendwo weiter oben musste die Hauptquelle der Trême sein. Aufgeregt und neugierig stiess ich schon bald auf einen wunderschönen Moosteppich und gleich darauf auf einen  kleinen Rinnsal kristallklaren Wasser, welches aus einer kleinen Höhle hinaussprudelte - eine kleine Perle, aber sicher eine weitere Nebenquelle. Weiter auf dem Weg entdeckte ich unter einem steilen und felsigen Hang nochmals eine kleine Quelle. Von dort aus hatte ich eine gute Übersicht über das Quellgebiet und folgte mit den Augen dem Hauptarm des Bachs hinauf.  

Kurz darauf fand ich die Quelle : ein armdicker Strom, der aus einem hohen Spalt im Felsband schoss. Nach einem ersten Ritual lud mich die Quelle zu ihr. Der Inspiration folgend, stieg ich dem Spalt entlang in das Felsband. Oberhalb der Quelle, bzw. über dem Felsband angekommen, trat ich in einer schönen Wiese und sass dort oben auf einer Steinreihe. Die Sonne liess die dünne Schneedecke schmelzen. Ich rastete eine Weile, dann machte ich ein paar Schritte um die Steine, bestaunte die Blumen und bückte mich über einen merkwürdigen kleinen Stein : eine Ammonite und zwar nicht der Abdruck des Meerestieres, sondern das versteinerte Wesen selbst. Welch kostbares Geschenk bot mir da die  Quellgöttin von Tremetta, wie die Alp über dem Quellgebiet heisst! Unter Urvölkern gelten Versteinerungen als Bote der Götterwelt. Erhält man solche derart spontan und innerhalb einer Ritualhandlung, wie ich es da erfahren hatte, dann ist der Wert des Geschenks schier unermesslich. Es ist da ein ganz persönlicher Wink der Quellgöttin, eine wundervolle Bestätigung ihrer Zuneigung dem Menschen gegenüber.

Beim meinem Besuch im folgenden Jahr hatte ich einen schönen Rutil bei mir, dessen goldenen Titannadeln im klaren Quarz zu einer Sonne aufgefächert lagen. Ich benutzte diese Sonne bei allen wichtigen Ritualen und in kurzer Zeit war sie mir besonders lieb geworden. Auch dieses Mal wies mich die Quellgöttin an, ins  Felsband hinaufzuklettern. Nach wenigen Meter fiel mir im Spalt über der Quelle ein grösserer Kalkstein auf. Ich hob ihn mit Respekt auf : es war eine etwa A4-grosse Platte, 3-4 cm dick. Sie wies eine schöne, ovale Auswaschung auf. Wie seltsam! wie konnte dieses Loch in der Steinplatte entstanden sein? Die Quellgöttin drängte mich die Steinplatte mitzunehmen, obschon sie so gross war, obschon ich irgendwie Respekt, ja sogar Ehrfurcht davor hatte, diese kostbare Besonderheit aus diesem heiligen Gebiet herauszutragen. Schliesslich gab ich nach und kletterte noch den Rest des Felsbandes zur Alp Tremetta hinauf. Die Alp befindet sich auf circa 1700m Höhe inmitten eines wahren botanischen Gartens. Dieses Jahr war die Schneedecke bereits vor einigen Wochen geschmolzen und ich war von der Pracht und Vielfalt der Flora dort oben überwältigt. Ich sass wie im Vorjahr auf der Steinreihe ab und genoss die prächtige Aussicht. Derweilen bereitete ich mich für ein weiteres Ritual und erschrak gehörig, als ich den sonnenförmigen Rutil nicht mehr finden konnte. Es durfte doch nicht sein, es könne doch nicht sein! Aber alles Suchen half nicht weiter. Ich schaute etwas verdutzt zum Quellgebiet und nahm eine Art leises Lachen wahr. Ach natürlich! Ich hatte tatsächlich vergessen der Quellgöttin ein Opfer mitzubringen. Sie hatte mir ein Geschenk gemacht und ich... ich musste etwas lernen und dafür auch bluten, also hatte sich die Quellgöttin ihr Geschenk ausgesucht : der Sonnen-Rutil.

Die wunderbare Steinplatte setzte ich lange Jahre bei meinem Ritualtisch zu Hause auf. Erst einige Jahre später als ich allmählich Kraftorte und Quellen bewusster verstand, sah ich eines Tages ein perfekt geformtes Gesicht in dieser Platte. Nun verstand den Sinn des Lochs in der Steinplatte, es war das Auge im Gesicht und die Behausung eines Schutzgeistes. Noch einige Jahre später und viele schmerzhafte Erfahrungen reicher, erfuhr ich zudem, dass solche Lochsteine traditionell als Gegenwehr zum beführchteten Toggeli-Geist eingesetzt werden. In Sibirien gelten Menschen, die solche Steine und Versteinerungen bekommen, als von den Geistern ausgewählt, um schamanischen Aufgaben zu übernehmen. Die Quellgöttin von Tremetta hat es offensichtlich immer sehr gut mit mir gemeint – ich bin dabei wohl etwas begriffsstuzig gewesen.


Die farbenfrohe Anmut der Quellfee von Tremetta

Mittlerweilen habe ich meine Rituale zur Sommer-Sonnenwende weiter entwickelt. In den frühen Morgenstunden gehe ich in meinem Garten Salbeizweige schneiden, die ich - einmal getrocknet - vorwiegend als Ritualkraut, zur Ausräucherung und gegebenfalls auch als Heilmittel einsetze. Dann begebe ich mich im heimatlichen Greyerz, folge den Lauf der Trême am Kloster La Part-Dieu vorbei. Unterhalb vom weitläufigen Quellgebiet opfere ich das letztjährige Salbei, begrüsse die sakrale Landschaft des Moléson-Massivs : der markanteste Berg im ganzen Bezirk. Der 2000 m hoher Gipfel ist sowohl 30 km nördlicher von  Freiburg aus, wie auch vom Mont Pélerin über dem  Genfersee aus, unübersehbar. Die markante und breite Felssäule vom Moléson erhebt sich so ganze 500 Meter über die umliegenden voralpinen Kuppen. Mitten in der breiteren Nordflanke des Moléson-Massivs befindet sich die Quelle, die ich mit verschiedenen Geschenke beehre, bevor ich auf dem Berg ein abschliessendes Ritual durchführe und über die ganzen Bergkrete wandelnd, zum Ausgangspunkt zurücklaufe.

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
home InstagramSeitenanfanglinksSchaufenster
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
aktualisiert 15.06.2020
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx