der Zeitgeist

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die Kunst im Fluss zu sein

Unter der Rubrik Zeitgeist werde ich laufend Informationen über die Zeitqualität, die Jahreskreisfeste und die Rituale, die ich darum pflege.
Wer sich im Fluss befindet, erlebt immer wieder erstaunliche Momente des Einklangs mit der Natur und ihrer spirituellen Dimension.

Samhain
 
Samhain, Allerheiligen, Allerseelen
In manchen katholischen Gegenden sagt man, dass die Seelen der Verstorbenen an Allerheiligen das Fegefeuer verlassen, um ihre alten Wohnungen zu besuchen. Am 2. November wird daher Allerseelen gefeiert und der Gottesdienst findet zum Gedenken aller Verstorbenen (auch für die Vergessenen) statt. Am 1. November pflegt man die Gräber neu zu schmücken und den Verstorbenen einen Besuch auf dem Friedhof abzustatten. Diese rituellen Handlungen entsprechen auch dem Sinn der früheren Samhain-Feierlichkeiten und dem signaturischen Zeitgeist des Skorpions. Wie es astrologisch beschrieben wird, führt die Skorpion-Zeit in die Tiefe, ins Besinnliche, in undurchdringenden Gewässern. Die Natur macht es vor und bereitet sich auf das Abschieden der Sommervegetation vor, das Ausscheiden aus einem Lebenszyklus, um nach der Wintersonnenwende neu geboren zu werden. Die Skorpion-, bzw. die Samhain-Zeit ist vom Thema Tod und Wandlung durchsetzt. Es ist allerdings keine nur schwermütige Auseinandersetzung : im Jahreskreis folgt Samhain auf dem Erntedankfest und kann auch als einen Dank an die Ahnen verstanden werden.
 
Bis Samhain soll die Ernte eingefahren sein, darum markierte dieses Jahreskreisfest bei den Kelten den Jahresabschluss. Aus diesem Grund wird die Nacht vom 31. Oktober zum ersten November auch Hexenneujahr genannt. Von nun an steigt die Grosse Göttin in die Unterwelt hinab, wo sie sich um die toten  Seelen kümmert. Dieses Jahreskreisfest ehrt auch Frau Holle, resp. Freya, deren Baum - der Holunder - in England passenderweise Ahnenstrauch genannt wird. Früher pflegten die heidnischen Friesen ihre Toten beim Haus unter dem "Ellhorn" (Holunder) zu begraben. Der heilvolle Strauch mit den schwarzen Beeren ist eine Art Schwelle und Zugang zu der Unterwelt, die eben zur Frau Holle als Totengöttin gehört. In  der Nacht zum 1. November fallen die unsichtbaren  Barrieren zwischen trivialer und spiritueller Welt. Feen sagt man in Schottland, freuen sich nun über die Gesellschaft der Menschen. Diese Durchlässigkeit zwischen Alltagswelt und die Reiche der Geister hält auch nach dem 1. November weiter an. Diese Grenze schliesst sich erst mit dem Einzug der Schneedecke.
Früher liess man Milch, Wasser und Brosamen auf dem Tisch stehen. In dieser Nacht kann man auch Gaben auf dem Fensterbrett oder vor die Tür stellen : sind die am Morgen verschwunden, dann bringt uns Frau Holle viel Glück. Aber von einem Ausgang ins Freie während dieser Nacht wurde früher öfters abgeraten : Geister und Dämonen haben da freie Hand. Wenn schon hinaus, dann in einem Lichterumzug. Licht- und Gänsebräuche um den Martinitag (11.November) sind Erinnerungen an den damaligen Wodansbräuchen, die an diesem Fest gepflegt wurden. Es ist Zeit, um den Verstorbenen und Geistern für ihre Hilfe zu danken. Der erste und der zweite November
sind - so sagte man - gute Tage, um den Armen zu spenden : die Geister bedanken solche Gaben mit besonderer Gunst. Kornsaat und Gemsenjagd waren hingegen an Allerseelen (2. November) verboten. Es ist die Zeit der Friedensschliessung, was auch mit Ausruhen und Loslassen zu tun hat. Es ist ausserdem eine günstige Zeit, um sich mit verschiedensten Gottheiten, Pflanzen- oder Tiergeister vertraut zu machen, innere Reisen zu unternehmen oder bei der Lösung von Problemen Hilfe zu erhalten.

Zinstage :
In keltischen Zeiten markierte der erste November den endgültigen Abschluss der Feld- und Erntenarbeiten. Danach galt Martini (11.November) noch lange als Zins- und Pachttag. Wie früher der heidnische Jahreskreis, so boten später die kirchlichen und profanen Feiern einen den jeweiligen Jahreszeiten angepassten Rahmen an. Egal unter welchem Gesicht, war damit das rituelle Grundbedürfnis des Menschen abgedeckt.
Die Martinifeier bildet im Luzerner Land der herbstliche Gegenpol zu den Umritten im Frühling (
Magische Zentralschweiz). Beide Feste stehen je nach Datum der Osterfeier mehr oder weniger genau sechs Monate auseinander. Die Abgabe der Zinse fand häufig in Form von Naturalien statt, also waren ursprünglich die Martinigänse - wie sie aus Sursee bekannt sind - eigentliche Zahlungsmittel. Die Tage anfangs November und besonders der Martinitag sind ebenso traditionelle Schlachttage. Am Niederrhein sagte man früher : „Um Martini schlachtet der Bauer sein Schwein, das muss bis Lichtmess gefressen sein.“ Mit Martini begann auch die Spinnstubenzeit, die ebenso bis Lichtmess (2.Februar) anhielt. Früher begangen die Handwerker wieder im Laufe des Februars ohne Kunstlicht zu arbeiten.
Der am 11. November gewürdigten Heiligen Martin von Tours war um 334 junger Gardeoffizier in Amiens. Eines kalten Tages schenkte Martin einem armen unbekleideten Mann am Stadttor mit einem Schwertschnitt kurzerhand die Hälfte seines Offiziersmantels. Der beherzte Mensch erntete vorerst nur den Spott seiner Mitmenschen und drei Tage Arrest für mutwillige Zerstörung von Militäreigentum. Während der Nacht im Gefängnis erschien ihm Jesus, in der Hälfte seines Mantels bekleidet. Die Erscheinung sprach zu den Ihn umgebenden Engeln : „Martin, der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet.“ Von diesem Erlebnis tief beeindruckt gab Martin das Militär auf, um im Dienste Gottes einzutreten. Er liess sich taufen, wurde Priester und lebte zunächst als Einsiedler. Um 360 gründete er ein Kloster in der Nähe von Poitiers. Der christliche Sinn hinter dem Martinibrauchtum fasste Dr. Theol. Manfred Becker-Huberti aus Köln so träff : „Wer teilt, gewinnt.“ so klingt die paradoxe christliche Botschaft des Martinifestes. Mit dem Teilen tauschen wir das Misstrauen gegenüber dem Fremden gegen ein erstarktes und vertrauenvolles Gefühl der Gemeinschaft und Verbundenheit aller Menschen ein.

Lostage : Es sind bestimmte Tage, deren Eigenschaften als bestimmend für den meteorologischen Weiterverlauf des Jahres gedeutet wurden. Die eine Bauernregel zum Martinitag als Lostag behauptet : „Wenn Nebel am Martini sind, wird der Winter lind. Am Martini Sonnenschein, tritt ein kalter Winter ein“. Ob dies tatsächlich stimmt, habe ich nicht genügend beobachtet.

Bräuche : Martini-Märkte finden u.a. in Düdingen, Murten, Flums und Pruntrutt statt. In der Ajoie gibt es noch den üppigen Martini-Schmaus.
Räbeliechtli-Umzüge gibt es in Buochs, Richterswil (grösster Umzug dieser Art), am linken Zürichsee-Ufer, Zürcher Unterland und in der Ostschweiz.
Ein lebhafter und farbiger Martini-Brauch ist die Gansabhauet in Sursee (
Magische Zentralschweiz). Auf dem Platz zwischen Rathaus und Kirchentreppe steht eine kleine Estrade. Der Hals der an einem Draht aufgehängte Gans muss mit einem stumpfen Säbel durchschnitten werden. Maskierte Schläger werden mit würdevollen Trommel- und Paukenschlägen angekündigt und einzeln auf die Estrade geführt. Einmal oben wird der Schläger, der dank Augenbinde hinter der Maske gar nichts sieht, noch um die eigene Achse gedreht. Hat der Schläger zuerst mal den Draht geortet, tastet er sich zur Gans und dem begehrten Hals heran. Die dabei entstehenden Situationen sind oft amüsant und die Schläger zeigen durchaus Witz und schauspielerisches Talent. Da wird mal an dem Hals gezupt und Federn in die Umgebung herumgeworfen oder das Tier liebevoll angetätschelt. Die Schläger versuchen mit dem Tasten sich möglichst präzis auf den Schlag einzuspielen. Jetzt wird mal so richtig ausgeholt. Der Säbel fliegt, alles wartet gespannt auf dem Schlag, doch in letzter Sekunde macht der Schläger halt und überprüft nochmal mit der Hand, ob der Schlag richtig gesessen hätte. Na ja! nicht schlecht wie es aus der Hand-Perspektive sich ertasten lässt. Also wird nochmals mit dem Säbel ausgeholt. Mensch! was soll das für einen gewaltigen Schlag geben. Doch nein! wieder hält die Waffe kurz vor der Gans an. Die Schaulustigen würdigen die gelungene Show mit herzhaftem Lachen. Jetzt endlich geht es los, doch trotz dem guten Treffer bleibt die Gans an dem Draht hängen. Unter Trommelwirbel wird der Schläger wieder hinunter begleitet. In der Zwischenzeit klettern Kindern an einem Mast um Geschenkpäckchen herunterzuholen. Auch hier macht die Menge aktiv mit und ermutigt herzhaft die Kinder. Der Tannen-gekrönten Mast ist recht hoch. Aus dem Diebeturm kommt jetzt der nächste Schläger. Wieder wächst die Spannung an, wird die Gans diesmal fallen? Üblicherweise braucht es schon gut sechs Versuche bis das Geflügel zu Fall kommt und vom glücklichen Sieger der Menge präsentiert werden kann. Die verbleibenden Schläger erhalten jetzt noch eine Chance mit der zweiten Gans.

Gunst der Zeit und passende Orte der Kraft :  Bezüglich Projekte und Jahreszyklus, bietet Samhain und die besinnliche Stimmung des Herbstes eine günstige Zeit für einen ersten Rückblick an. Die unmittelbare Präsenz der Geister gibt dem November mal eine wirre, mal eine düstere, mal eine mystische Stimmung : gute Voraussetzung fürs Ausruhen, Loslassen und Besinnen an die seit Lichtmess erhaltenen Gaben der Grossen Göttin und damit an unseren Wurzeln, unseren Ahnen.
Besondere Inspiration findet man im November auch in Schluchten : schliesslich gibt der Einschnitt des Flusses einen Einblick in die tieferen Wesensschichten der Grossen Göttin. Überall dort, wo man in die Intimität der Erdgöttin sieht, in eben diese
Unterwelt, wo sich die Göttin zurückzieht, erhält der aufmerksame Besucher einen unmittelbaren Kontakt zur spirituellen Welt - neben den Schluchten, sind dies auch Wasserfälle, Quellen und Höhlen. Felsen haben häufig viel zu berichten und das tun sie im November besonders deutlich und gerne.

Passend dazu den Herbst-Wander-Tipp über den Drachenberg Gibelegg.

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aktualisiert 10.10.2019
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