der Zeitgeist

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die Kunst im Fluss zu sein

Jeweils am 15. des Monats erhalten die Rubriken "Zeitgeist" und "Wander-Tipp" neue Inhalte
 zur herrschenden Zeitqualität, zum darauf folgenden Jahreskreisfest und dazugehörenden Ritualen.
Wer sich im Fluss befindet, erlebt immer wieder erstaunliche Momente des Einklangs mit der Natur und ihrer spirituellen Dimension.
 

zwischen Samhain und die
Winter
-Sonnenwende
Über diesen Zeitgeist gibt es besonders viel Spannendes zu berichten. Nach Samhain folgt jetzt der Beschrieb der Eigenheiten von November, über den Beginn der Percht-Zeit (6. Dezember) bis Mitte Dezember.
Am 15. Dezember wird dann der Teil um die Wintersonnenwende (inkl. Ende der Percht-Zeit - 6. Januar) aufgeschaltet.


Moorlandschaft Prodalp (Flumserberge - Walensee-Region)

Gunst der Zeit und passende Orte der Kraft
 Bis Samhain soll die Ernte eingefahren sein, darum markierte dieses Jahreskreisfest bei den Kelten den Jahresabschluss. Aus diesem Grund wird die Nacht vom 31. Oktober zum ersten November auch Hexenneujahr genannt. Von nun an steigt die Grosse Göttin in die Unterwelt hinab, wo sie sich um die toten  Seelen kümmert. In  der Nacht zum 1. November fallen die unsichtbaren  Barrieren zwischen trivialer und spiritueller Welt. Feen sagt man in Schottland, freuen sich nun über die Gesellschaft der Menschen. Die Durchlässigkeit zwischen der Alltagswelt und die Reiche der Geister hält auch nach dem 1. November weiter an. Diese Grenze schliesst sich erst mit dem Einzug einer länger verweilenden Schneedecke. Auch wenn der Schnee eine Woche später wegschmilzt, ist mit dieser geschlossenen Decke die Grosse Göttin endgültig in die Unterwelt abgetaucht und die Grenze zum Reich der Geister wiederum dicht. Mit dem Beginn der Percht-Zeit am 6.Dezember erhalten viele spirituelle Wesenheiten, wie Toten- und Luftgeister, wiederum einen erheblichen Freiraum.
Bezüglich Projekte und Jahreszyklus, bieten Samhain und die besinnliche Stimmung des Herbstes eine günstige Zeit für einen ersten Rückblick an. Die unmittelbare Präsenz der Geister gibt dem November mal eine wirre, mal eine düstere, mal eine mystische Stimmung : gute Voraussetzung fürs Ausruhen, Loslassen und Besinnen an die seit Lichtmess erhaltenen Gaben der Grossen Göttin und damit an unseren Wurzeln, unseren Ahnen. Es ist ausserdem eine günstige Zeit, um sich mit verschiedensten Gottheiten, Pflanzen- oder Tiergeistern vertraut zu machen, innere Reisen zu unternehmen oder bei der Lösung von Problemen Hilfe zu erhalten.
Besondere Inspiration findet man im November auch in Schluchten : schliesslich gibt der Einschnitt des Flusses einen Einblick in die tieferen Wesensschichten der Grossen Göttin. Überall dort, wo man in die Intimität der Erdgöttin sieht, in eben diese
Unterwelt, wo sich die Göttin zurückzieht, erhält der aufmerksame Besucher einen unmittelbaren Kontakt zur spirituellen Welt - neben den Schluchten, sind dies auch Wasserfälle, Quellen und Höhlen.
Das schräg bis gar seitlich einfallende Licht der Monate November und Dezember verleiht der gewohnten Umgebung neue Konturen und lässt Dimensionen erkennen, die uns ansonsten gerne verborgen bleiben. Dieses Licht ist an nebelfreien Tagen häufig golden gefärbt und bildet eine reizvolle Resonanz mit dem Herbstlaub und den goldenen Graslandschaften der Moorlandschaften,
Lärchenwäldern im Wallis und Graubünden oder Hainen wie beispielsweise die Eichenhaine am Monte San Giorgio.


Eichenhain am Monte San Giorgio (Tessin)
 

Die Percht-Zeit und dazugehörigen Bräuche
Vom 6. Dezember bis zum 6. Januar erstreckt sich die sogenannte Percht-Zeit. Der Knecht Ruprecht wurde auch schon als Namensursprung für die Zeit erwähnt, doch wahrscheinlicher stammt die Bezeichnung von Perchta, eine Sagengestalt aus der germanischen und slawischen Mythologie. Wie Knecht Ruprecht belohnt Perchta gutes und bestraft schlechtes Benehmen. In den Gebieten der nieder- und mitteldeutschen Dialekte erfüllt Frau Holle die Rolle der Perchta. Die Attribute der Perchta sind Eisen und Nase. So fährt Perchta während den Rauhnächten durch die Lüfte und lässt Eisenketten rasseln. Immer wieder wird betont wie gross die Nase der Perchta sei. Diese übergrosse Nase könnte gar als Vogelschnabel gedeutet werden, womit Perchta als Fortführung einer alten Vogelgöttin, beziehungsweise als Aspekt der Grossen Göttin gelten dürfte. Diese These erhält Unterstützung durch die traditionellen Maskengestalten Vogelpercht, Habergoas und Schnabelgeiss, sowie aus den Sagen, wo Perchta auch für das Wachstum des Getreides zuständig sein soll und als Hüterin ungeborener Seelen dargestellt wird. Die erstmals 1582 schriftlich erwähnten Perchtenläufe sind also wesentlich jünger als die Sagen um Perchta. Früher übrigens bezeichnete man eine Russ-geschwärzte Maske als rauher Percht. Die Masken spielen zweifelsohne in den Percht- und Jul-Bräuchen eine äusserst bedeutungsvolle Rolle.
Zeitlich verwandt mit der Percht-Zeit ist der Begriff Rauhnacht, der gemäss alter Quellen vom Brauch des „Hausausräucherns“ abgeleitet sein soll. Dieser Brauch ist heute noch vor allem in dem österreicherischen Tirol und Ennstal lebendig. Die Percht-Zeit war früher dem Toten- und Rauschgott Wotan (Donar) geweiht. Letzterer wurde häufig mit Einnahme entsprechend berauschenden Zubereitungen geehrt und wie heute war dies eine Zeit der Freundschaftspflege.

Die Übergänge vom Alltag in die Percht-Zeit, sowie in den Alltag zurück, werden noch heute durch vielfältige Bräuche gefeiert und gehören vielenorts zu den lebendigsten Traditionen. Sie gehen auf uralte Glaubensvorstellungen zurück. Gewisse Sitten sind im Laufe der Zeit verloren gegangen, andere wurden umgedeutet und bis heute überliefert oder sind inzwischen neu belebt worden. Im Mittelalter beispielsweise kannte Luzern die Sitte der Polsternächte. An den Donnerstagnächten (Tag des Donars!) vor Weihnachten zogen die Leute mit Poltern und Lärm durch die Stadt. Nach ausufernden Ereignissen wurde das Treiben 1577 abgestellt und für immer verboten. Auch im Entlebuch gab es früher das Polsterli – manchenorts auch Sträggelenjagen genannt, was soviel wie Hexenjagd bedeutet. Angeführt durch einen als altes Weib, als Ziege oder Esel verkleideten jungen Mann, zog die Jugend mit allerlei lärmigen, knallenden und schallenden Instrumenten in benachbarten Gemeinden ein. Ähnlichkeit mit diesen alten Bräuchen zeigt noch heute den jeden Silvester stattfindende Altjahrsesel im bernischen Schwarzenburg (mehr dazu ab dem 15.Dezember).


Einzug der Laternen und Iffelen auf dem Dorfplatz Beckenried

http://www.samichlais.ch



Masken, Lichtumzüge und lautstarkes Treiben
Je nach Ort wird vor allem den Eintritt in die Percht-Zeit (z.B. Klausjagen), die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr (z.B. Übersitz) oder das Ende der Percht-Zeit (z.B. Greiflet) gefeiert.
Die meisten dieser Traditionen kennen verschiedene maskierte Gestalten. Allen voran bekannt sind natürlich Sankt Niklaus und die Schmutzlis. In der Zentralschweiz ist das Klausjagen ein weit verbreiteter Brauch. Am bekanntesten, grössten und sehr urig ist dasjenige in Küssnacht an der Rigi (siehe Anhang am
Wander-Tipp). Als weiteres Beispiel ist Beckenried erwähnenswert. Wie in Küssnacht wird nach 20 Uhr die Beleuchtung im ganzen Dorf ausgeschaltet bevor die Geisselchlepfer eintreffen. Dahinter folgen - harmonische und tragende Melodien spielend - die Hornbläser, danach Iffelenträger, Schmutzlis, Sankt-Niklaus und 404 Trychler. Die derart vervielfachte archaische Kraft dieser Glocken wirkt durch das von allen Teilnehmern eingehaltene, gleichmässige Tempo richtiggehend hypnotisch. In der Dorfmitte wird schliesslich „uistrychlet“ : der Rythmus wechselt von einem monotonen, langsamen Tempo zu einem wilden Crescendo, dass der Trance einen markerschütternden Höhepunkt setzt. Verschiedene ähnliche Traditionen sind dem Alpenbogen entlang erhalten geblieben, z.B. das St.Nikolaus-Trichjen in Laax (Graubünden) oder in Ernen und Binn (Oberwallis). Im oberen Zugerland (Ägerital) findet am 5. Dezember das Klausjagen statt. Am nachfolgendem Vormittag ziehen die Kinder mit einem hölzernen Eselskopf auf langer Stange herum. Wenn der Abend kommt, ziehen ihrerseits die Grossen in Rotten bis zu den entlegensten Höfen. Der Nikolausumzug von Freiburg ist weitherum bekannt. In Amden (St. Gallen) rennen am 6. Dezember verkleidete Kläuse den Kindern nach. In Österreich treten manchenorts am Klausetag wilde Gestalten und/oder Bären an die Stelle von Sankt Niklaus. Wie der christliche Nachkomme, jedoch rauher und radikaler belohnt die Nickel, Pelznickel, Klos oder Krampus genannte Gestalt das Gute und massregelt die fehlerhaften Menschen und Kinder. Krampus trägt Schellen oder Glocken und zieht manchmal eine Kette mit sich, an welche er Menschen fesselt. Im Berner Oberland ist es die Habergoas - eine schrill schreiende Ziege, die mit ihrem Stecken Kappen und Hüten von den Köpfen der frechen Kindern reisst. Weit verbreitet sind auch Geisselchlepfer, welche die Luft mit ihren Peitschen läutern, und die Trychler, die mit Glocken und Treicheln die bösen Geister vertreiben. In Hallwill (Aargau) umrunden vom 5. Dezember an bis zum Silvestertag maskierte Jungen ihr Dorf und schwingen Peitschen lautvoll durch die Luft. Anderenorts wird nicht nur die Luft um das Dorf, sondern auch Hof und Haus (Ausräucherung) geläutert. Manchenorts werden Menschen, manchmal auch Obstbäume mit Birken- oder Haselruten ausgepeitscht. Birke und Hasel gedeihen selbst aus morschen und verstümmelten Baumstümpfen immer wieder von Neuem, daher werden sie zu diesem Zweck eingesetzt. Das Auspeitschen hat nämlich keinen aggressiven Charakter, sondern will die Erneuerungskräfte solcher fast unsterblicher Heilpflanzen, bzw. der Mutter Erde auf den Menschen übertragen. Bei einigen Tradition gehören auch Wachholder-Besen dazu, mit denen die Anwesenden angestichelt werden. Auch hier geht es darum die Schutz- und Heilkräfte des Wachholders auf den Menschen zu übertragen. Der Schlagausteilende darf dabei eine gute Portion Schadenfreude geniessen, weil die Nadeln des Wachholders ganz schön stechend sind. Eibe und Wachholder schützen allgemein vor zerstörerischen Kräften. Ihr Grün bringt, die im Sommer gespeicherte Wärme und Heilkräfte mit, um das Weiterleben über das Jahresende zu sichern.
In Süddeutschland und in schweizerischen Thurgau, u.a. in Märstetten, Märwil, Mauren, Ottenberg und Weinfelden wird die Bochselnacht zelebriert. Das Wort bochseln ist mit pochen verwandt und bedeutet lärmen, klopfen, Schabernack treiben. Einigen Quellen nach soll der Begriff auf die Unart der Perchtzeit-Geister zurückgehen, in finsterer Nacht an die Fenster zu klopfen. Mit Räbeliechtli-, manchmal auch mit Papierlaternen-Umzüge und kräftigem Lärm werden die unliebsamen Erscheinungen in der Weihnachtsvorwoche aus den Dörfern vertrieben. In Weinfelden übrigens findet die Bochselnacht  immer an einem Donnerstag  (Tag des Donars) statt. Der Brauch war früher weit verbreitet so u.a. in Schaffhausen, Zürich und Basel. Dort wurde das heidnische Treiben im Vorfeld vom Basler Konzil 1431 verboten.

In der sich verabschiedende Natur, deren Konturen sich jetzt öfter im Nebel auflösen, beginnt die Zeit des Wilden Heeres. Diese unruhige von Wotan angeführte Seelen treiben sich mit viel Krach und Getöse in stürmischen Nächte herum.
Dazu passt
der Spätherbst-Wander-Tipp von Küssnacht am Rigi durch den Megger Wald.

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aktualisiert 15.11.2019
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