Gutmütiger Faun der Ochsenalp

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Zu den Wurzeln zurück
Als ich 2003 mit der Redaktion des Buches „Magische Zentralschweiz“ begann, bemerkte ich schon bald, dass die Innerschweiz weitgehend mit dem hydrologischen Bassin der Reuss gleichzusetzen ist. Beim Rüssspitz, wo sich die Lorze in die Reuss ergiesst, verlässt letztere die Zentralschweiz. Das nächste Dorf nach dem Rüssspitz ist Jonen – mein Heimatort – ein wunderbarer Ort der Kraft, der mir eines meiner ersten Aha-Erlebnisse in dieser Beziehung lieferte. Als Bürger des Ortes, der am Ausgang der Zentralschweiz steht, fühlte ich mich geradezu berufen dieses Buch zu schreiben. Damit lief ich von meinem Heimatort sozusagen allen Quellen der Reuss entgegen, eigentlich auf der Spur zu meinen Wurzeln.
Einige Landstriche im reichhaltigen Gebiet der Innerschweiz kannte ich bereits, viele mehr durfte ich während der zwei Jahren der Buchredaktion entdecken. In Andermatt treffen sich die oberen Reussquellen : aus dem Osten die Oberalp- und Unteralpreuss, aus dem Süden die Gotthardreuss, aus dem Westen die Furkareuss mit ihren Zuflüssen Voralp-, Chelen- Damma- und Witenwasserenreuss. Dabei haben mich die westlichen Reussquellen besonders verzaubert, sei es um die Göscheneralp, sei im Vorfeld der Furka. Nach Realp in Richtung Pass begegnet man der Kapelle Tiefenbach. Gleich danach führt eine steile Naturstrasse hinauf gegen die Albert-Heim-Hütte. Statt schnurstraks zur Hütte hinzugehen, schlage ich in meinem Buch vor, den kleinen Umweg über das Gebiet Ochsenalp/Auf den Stöcken zu machen. Damit kommt man in den Genuss einer Rundhöcker-Landschaft, eine kleine Terrasse, die den Blick auf das gesamte Urserental freigibt. Als ich den Weg am 11. August 2003 erstmals unter die Füsse nahm und die Ochsenalp entdeckte, spürte ich sofort, dass die imposante Felsburg dort ein wahres Steinheiligtum darstellt. Nach eingehender Studie der geomantischen Verhältnisse bin ich zur Überzeugung gekommen, dass die kleine furkaseitige Ebene vor der Felsburg vor langer Zeit wahrscheinlich als Ritualort gebraucht wurde.


die Felsburg                                          ...und das Zuhause vom Faun

Nach einem ersten Begrüssungsritual vor der Felsformation, ging ich auf der Felsburg selbst zu und hielt nochmals ein kleines Ritual ab. Dann sprach mich ein Geist aus dem Granit an und sagte ganz deutlich : „Nimm diese Blumen und mach was draus.“ Etwas überrascht von dieser spontanen Kommunikation fragte ich wer er eigentlich sei. Er stellte sich als der Faun dieser Felsgruppe vor und wiederholte seine Aufforderung :   „Nimm diese Blumen und mach was draus.“ Inzwischen versuchte ihn einzuschätzen, ausfindig zu machen, inwieweit ich ihn vertrauen könne. Etwas skeptisch antwortete ich man benutze als Heilpflanze der weisse Augentrost und die hier wachsende, gelbe Art sei nicht anerkannt. Der Granitfaun wiederholte ruhig aber bestimmt „Nimm diese Blumen und mach was draus. Und ausserdem rege Dich nicht darüber auf, wenn deine Wanderung nicht so wie geplant abläuft.“ Hellhörig und beunruhigt, fragte ich, was denn mit der Wanderung los sei, worauf ich achten sollte, ob da irgendwelche Gefahren dabei waren. Der Faun gab sich jetzt eher verschlossen. Nach ihm gab es weder besondere Gefahren, noch Sachen, worauf ich besonders zu achten hätte, ich solle nicht im Geringsten beunruhigt sein, aber offen bleiben für Überraschungen und Unplanmässigkeiten, "und voilà!". Offenbar war beim Steingeist nicht mehr herauszuholen, also bedankte ich mich für die rätselhaften Empfehlungen. Um den Augentrost-Bestand in keiner Art zu gefährden, pflückte ich nur sieben der zierlichen gelben Pflänzchen – schliesslich genügt eine kleine Menge Heilkraut für die Herstellung homöopathischer Mitteln meistens recht weit. Der spagyrischen Präparation analog, ernte ich das ganze Heilkraut, d.h. Kraut mit Blume und Wurzel, wenn möglich auch die Frucht, bzw. der Samen dazu. Ist der Mensch krank, ist nämlich sein gesamter ätherischer, seelischer und physischer Körper krank, darum ist es wichtig die gesamte Pflanze zu ernten.









kleine, süsse Erscheinung :
der goldene Augentrost








 

mächtiger Fingerzeig
des Drachenbergs Winterstock :
hoch über den Lochbergsee

Nach einer genüsslichen Pause zog ich weiter über das Gebiet Auf den Stöcken, die Albert-Heim-Hütte und erreichte unter dem erhobenenen Fingerzeig des Winterstocks die Saasegg. Ein halber Kilometer nach diesem kleinen Talboden zweigt sich der Weg auf : ein Ast geht auf Realp hinab, der andere kehrt zurück gegen Tiefenbach. In Richtung dieser Abzweigung geht es von der Saasegg zuerst mal hinab... doch schien es mir gehörig hinabzugehen. Ich verlor immer mehr an Höhe und fing an mich zu wundern, ob denn diese Abzweigung nicht mal erscheinen würde. Gewiss erscheinen einem die Distanzen auf einem unbekannten Weg länger als sie sind, doch jetzt müsste sicher diese Abzweigung gleich erreicht sein. Etwas später, als immer noch keine Abzweigung in Aussicht stand,  dachte ich vielleicht sollte ich mal die Karte anschauen, doch dazu hatte ich nun mal keine Lust und lief noch etwas weiter hinab. Langsam hatte ich das Gefühl, ich hätte die Verzweigung schon längst sehen müssen und entschloss mich ein letztes Stück weiter hinabzugehen. Dort zog ich mal die Karte hervor und nach einer Weile war es mir endlich klar, ich befand mich schliesslich schon etwa 400 Höhemeter unter der Abzweigung. Dies bedeutete nicht weniger als eine ganze Stunde Aufstieg, um den verpassten Weg zu erreichen. Etwas Ärger über mein Missgeschick wollte mich gerade befallen, da kamen mir wieder die Worte des Steingeistes in den Sinn „Und rege Dich nicht darüber auf, wenn deine Wanderung nicht so wie geplant abläuft.“ Jetzt konnte ich nur noch herzhaft über mich selber lachen. Ich hatte schliesslich längst noch genug Zeit und beste Wetterverhältnisse, da spielte dieser Umweg keine wesentliche Rolle.
Als ich schliesslich zu Hause angekommen war, zog ich die erhaltenen Heilkräuter hervor. Nach sorgfältigem Waschen und trockentupfen legte ich die Pflanze zur Mazeration in Alkohol. Beim nächsten Altmond filtrierte ich die Urtinktur und stellte den Augentrost im Heilkräuterschrank zu den anderen Tinkturen und Essenzen.

Kleine Pflanze aber oho!
Die Zentralschweiz erstreckt sich von den Gotthard-Anhöhen bis am Südufer des Zürichseees. So war im selben Jahr auch noch in den Monaten November und Dezember fleissig unterwegs. Während der langen Rückreisen im geheizten Auto litt ich immer häufiger unter Augenbrennen. Manchmal war es recht heftig und ich begann mir Sorgen zu machen : ich rauchte weniger und heizte weniger, doch das half nicht immer befriedigenderweise. Während den Wintermonaten Januar und Februar liess mein Sehvermögen rapide nach. Bis im März hatte ich manchmal ernsthaft Mühe das Geschriebene am Computer zu entziffern. Jetzt bekam ich richtig Angst um mein Augenlicht.  Endlich kam mir die Ochsenalp und der Augentrost in den Sinn. Ich potenzierte die Urtinktur zu D-Essenzen und nahm diese regelmässig ein. Obschon der alpine Augentrost nicht als Heilkraut anerkannt ist, dachte ich mir, wenn der Steingeist bezüglich Wanderungsverlauf Recht hatte, dann wird er vermutlich auch bezüglich Heilkraft des goldenen Augentrosts Recht haben. Und tatsächlich verbesserte sich mein Sehvermögen schon bald. Bis in den Sommermonaten sah ich wieder ganz gut und im nächsten Winter litt ich auch nicht mehr unter Augenbrennen. Der Faun des Granit-Heiligtums hat es mit mir wirklich gut gemeint. Die Ochsenalp ist - als Furkareuss-Kraftort – für mich als „Reuss-Kind“ eine höchstpersönliche Wurzel. 

Erntedank
Am 21. September 2005 erschien
Magische Zentralschweiz und an diesem Tag ging ich Erntedank auf der Ochsenalp feiern. Ich wurde nochmals reich beschenkt : auf einem Stein eingangs des Aufstiegs fiel mir etwas Glänzendes auf. Es handelte sich um eine schöne Spitze Rauchquarz.  
 

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aktualisiert 04.05.2017
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