Das Toggelichilchli

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Zwischen Simmental und Schwarzsee-Region befindet sich das Hochtal der Walop. Von Boltigen aus führt die Strasse über Klus zum kleinen Seitental. Am Ende der asphaltierten Strasse steht man in einem schmalen Einschnitt zwischen hohen fast senkrechten Hängen und Felsen. Der Wanderweg schlängelt sich in einem steilen Aufstieg durch viel Geröll : 550 Höhemeter an einem Stück!     
Oben angekommen legte ich auf der Grenze zwischen Aufstieg und Walop-Hochtal
eine Pause ein.

Der Eintritt in ein magisches Reich - unterer Walopsee
 
Die Ortsgeister goutierten es offenbar sehr, dass ich bewusst die Naturtempel-Grenze für meine  Pause und meine Frage nach einer Besuchserlaubnis gewählt hatte. Sie schickten mir gar meinen  obersten Lehrmeister als Zeichen des Einverständnis und des Einklangs. Links von mir kam der Fuchs aus dem Wald und in aller Ruhe fing er an, die Weide nach Beute zu durchsuchen. Er stöberte gemütlich herum und kam mir immer näher. Schliesslich spazierte er am Hang keine 10 Meter unter mir durch und begab sich schliesslich in den Wald rechts von mir. Eine Zeit lang sah ich ihn noch im Wald herumstöbern.
 
Nach dieser beeindruckenden Auszeit lief ich zum unteren Walopsee und machte dort einige schöne Entdeckungen. Der Bergsee strahlt meistens eine tiefgründige Türkisfarbe aus. Er verdankt diese Farbe möglicherweise dem Umstand, dass er kein oberirdischer Abfluss besitzt. Jedenfalls verleiht ihm diese Eigenschaft eine ruhende, stille und geheimnisvolle Ausstrahlung. Nach einer Weile fielen mir eigenartige dreieckförmige Felsformationen oberhalb des Sees auf. Ich erkannte in diesen wirklich aussergewöhnlich regelmässigen Sedimentationsstrukturen ein Zeichen der Erdgöttin, denn ihr wird das Dreieck als geometrisches Symbol zugeordnet. Tief beeindruckt von der weiblichen Signatur in der Landschaft setzte ich dann meine Wanderung über die erste Hochebene der Walop fort.

 
Signatur der Grossen Göttin am
Walopsee - geheimnisvolle Dreieckformationen 

Die Anhöhen der Alp waren noch weitgehend schneebedeckt. Doch hier auf 1600 m war die Blütenpracht bereits umwerfend schön. Es war hier mein erster Besuch. Ich hatte über diese Keltenalp im Buch „Magisches Berner Oberland“ von Pier Hänni
(siehe
Links) gelesen. Im Zentrum der Alp befindet sich eine Karstquelle mit einer schönen, bemoosten und geheimnisvollen Felstreppe –
das sogenannte Toggelichilchli – was soviel wie der „Tempel der Alpgeister“ bedeutet. Ich bog gemäss den Anweisungen im Buch vom Weg rechts ab gegen den Hang in Richtung Toggelichilchli. Zum sagenhaften Ort führt kein markierter Weg. Ich suchte den Hang ab, überlegte und strengte mich an, aber es liess sich keine Spur von einer Felstreppe oder einen mannshohen Felsspalt ausmachen. Nach einer Weile gab ich einfach der Lust nach und ging zu einer steilen Grasterrasse hinauf. Von dort konnte ich die ganze Walop anschauen und von der Sonne profitieren. Natürlich sinnierte ich auch über dieses Toggelichilchli. "Was soll’s! wenn die Walop mir ihr Geheimnis heute nicht preisgeben will, dann hat das wohl seine Richtigkeit und entsprechend kann ich es akzeptieren", dachte ich mir. "Trotzdem kann ich mich über das heute bereits Erlebte schon ganz schön freuen."

Als ich dann wieder hinunter ging, zog es mich plötzlich rechts ins Gelände. Ich sah einen Baumsaum, der mich irgendwie anzog und als ich näher trat, blieb mir auf einmal der Atem stehen. Hinter den Sträucher-Ästen leuchtete eine üppige Moos-Pyramide. Eine ausgedehnte Felstreppe gepolstert mit sattgrünen feinstem Moos, verziert mit Farn und kleinen Blütenpflanzen. Ganz oben über manchen Stufen öffnete sich ein tiefer Felsspalt.

 
Ehrwürdiges Naturheiligtum Toggelichilchli - Blick aus dem Inneren 

Neben dem Eingang winkten viele frische Soldanellen. Ich begrüsste dieses Tor zur Unterwelt gebührend und bat um Erlaubnis hineinzutreten. Die Antwort war positiv und ich konnte einige Meter weit in den schmalen Durchbruch gehen.
Zunächst nahm ich nur eine Vibration wahr, dann bemerkte ich erst, dass es sich sowohl um ein leichtes Schwingen vom Fels, wie auch um ein Geräusch handle. Das Geräusch eines mächtigen Wasserstromes, der im Berginneren toste. Ich hörte den Puls der Unterwelt und es füllte mich mit Ehrfurcht und Dankbarkeit für das Erlebnis. Vorsichtig und beehrt kehrte ich zur Aussenwelt zurück. Ich verweilte noch einen Moment neben der Felstreppe und da verstand ich auch noch, welche Lektion das Toggelichilchli mir in Errinerung bringen wollte.
Wer sucht, findet nicht.
Wer ohne Begierde vertrauen kann, bekommt alles was er braucht.

Wer sucht, ist mit der Suche beschäftigt und nicht offen. Wer ohne Gier sein kann, einfach offen sein kann, der bekommt es manchmal ehe er sich seines Wunsches bewusst wird.
 

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aktualisiert 17.06.2016
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